Roadtrip, Chamonix-Arco-Dolomiten


Jakob in der letzten Seillänge

Die Schweizer Autobahnvignette war schon gekauft und musste sich schließlich jetzt amortisieren. Aus diesem Grund planten Jakob und ich einen weiteren Chamonix Trip.



Aiguille du Midi im Sonnenuntergang

Aiguille du Midi im Sonnenuntergang

Diesmal waren wir schon gut vorbereitet. Wir hatten einen guten Plan und waren beide motiviert. Am Sonntag ging es, nach einem herrlichen Kaffee bei Steffi & Jakob, zu Mittag gemütlich von Wien weg. Die Fahrt war wie immer lange. Endlose Autobahnkilometer mussten vernichtet werden. In der Schweiz fanden wir ein super Platzerl, in der Nähe eines Maisfeldes, wo wir unsere erste Nacht verbrachten. Nach einem guten Frühstück ging es weiter Richtung Chamonix, wo wir so am frühen Vormittag eintrafen.

Aiguille de Chamonix, Les Papillon ridge

Aiguille de Chamonix, Les Papillon ridge

Die Wetterverhältnisse waren gut und so packten wir unsere Rucksäcke und fuhren mit der Bahn auf die Aiguille de Plan. Dort bunkerten wir unser Zeug und kletterten eine schöne Einstiegstour. Der Fels war herrlich. Fester Granit, sportliche Risse und Verschneidungen.

herrliche Kletterei im besten Granit

herrliche Kletterei im besten Granit

Der ein oder andere Haken war an der richtigen Stelle, wobei die Tour gegen oben hin eigentlich immer weniger Material hatte. Fette Risse und viele Sicherungsmöglichkeiten machten die Kletterei jedoch zu einem echten Erlebnis. Am Ausstieg genossen wir die Abendstimmung und sahen dem täglichen Schauspiel der Wolken ein wenig zu.

Jakob in der letzten Seillänge

Jakob in der letzten Seillänge

Dann seilten wir über eine benachbarte Route wieder ab und suchten uns ein lauschiges Biwak-Plätzchen. Windgeschütz, durch eine kleine Steinmauer, kochten wir unser Abendessen. Ein herrlicher Sonnenuntergang erfreute unsere Gemüter.

Jakob beim Kochen von unserem Abendessen

Jakob beim Kochen von unserem Abendessen

Leider wurde die Stimmung bald ein wenig getrübt. Ich bekam von Burnie ein Wetter SM(S), in dem nur noch der morgige Tag gut gemeldet war. Verdammt jetzt hatten wir schon wieder Wetterpech! Aber es blieb noch der darauf folgende Tag, wobei wir jedoch wussten, dass wir den Zustieg zum Cortierpfeiler morgen nicht mehr schaffen würden bzw. den Zustieg vielleicht, aber die Kletterei nicht mehr. Somit suchten wir nach einer Alternative.

Sonnenuntergang auf der Aiguilles de Plan

Sonnenuntergang auf der Aiguilles de Plan

Jakob hatte diese prompt im Sack. Der Gendarm. Eine 3.000er Spitze, die markant in den Himmel ragt. Perfekt. Am nächsten Morgen schliefen wir uns ein wenig aus und frühstückten gemütlich unseren Poritsch. Dann packten wir das Kletterzeug und marschierten Richtung Einstieg. Immer wieder rumpelte es und mächtige Seracs bzw. Felsblöcke rauschten von der Nordwand in die Tiefe.

Jakob in der ersten Seillänge der "Contamine Vaucher"

Jakob in der ersten Seillänge der "Contamine Vaucher"

Am Einstieg waren wir leider nicht die einzige Seilschaft. Da waren weit vor uns zwei andere Jungs. Dann der Engländer mit einem Engländer Gast und eine Französische Viererseilschaft. Alle waren lange vor uns eingestiegen. Jakob und ich dachten uns, wenn wir uns Zeit lassen, dann geht sich das gemütlich aus. Aber dem war nicht so. Die ersten Seillängen waren wir alleine und genossen das herrliche Wetter. Wir konnten es kaum glauben, dass das Wetter umschlagen würde.

Jaklob in einer der cleanen und sehr steilen Rissseillängen

Jaklob in einer der cleanen und sehr steilen Rissseillängen

Genussvoll kletterten wir im warmen Granit. Die Wegfindung war gar nicht so simpel, aber mit einem gutem Topo hatten wir bald den Anschluss gefunden. Jetzt versuchten wir zu überholen, aber das war gar nicht so einfach. Auf Grund unseres Tempos waren wir bald an der Viererseilschaft vorbei und mit einem geschickten taktischen Manöver auch bald an den Engländern. Zum Schluss konnten wir sogar noch die Jungs stauben.

Jakob am Ausstieg vom "Red Gendarme" 3068m

Jakob am Ausstieg vom "Red Gendarme" 3068m

Somit waren wir dann beim Abseilen die Ersten und mit perfektem Handling konnten wir sehr schnell Meter machen. So gelang uns der Abstieg noch im Trockenen bevor das Gewitter kam. Unser zweites geplantes Biwak verlegten wir in die Auffangplattform der Gondel. Dort war der Großteil überdacht und wir erhofften uns ein halbwegs trockenes Biwak, was auch zum größten Teil zutraf. Lediglich wenn der Wind extrem war, bekamen wir die ein oder anderen Tropfen ab, war aber halb so schlimm.

unser Quatier - die Gondlplattform

unser Quatier - die Gondlplattform

Das Gewitter wurde immer heftiger und so gegen 02:00 zuckten die Blitze waagrecht durch die Luft. Es war schon sehr unheimlich. Auf einmal war es taghell und wir spürten ein Zischen durch die Metallkonstruktion fahren. Der Boden brummte. Und gleichzeitig knallte es. Mein Puls war auf 200. Ich glaub Jakob ging es nicht viel besser. Ich schob meine selbstgebastelten Ohropax auf Anschlag und schlief wieder ein. Am nächsten Morgen stand die Bahn still. Das Personal informierte uns, dass der Blitz eingeschlagen hatte, aber das wussten wir eigentlich schon! So packten wir die schweren Rucksäcke und kofferten den ganzen Weg zum Parkplatz zu Fuß hinunter. Landschaftlich sehr schön, aber die Seilbahn wäre schon knieschonender gewesen.

ein perfektes Biwak :-)

ein perfektes Biwak :-)

Leider war der Wetterbericht nicht besser gemeldet und so wechselten wir die Location – ab nach Arco. Durch den Mont Blanc Tunnel war das ein 5-stündiger Katzensprung. In Arco kannte ich natürlich schon die guten Platzerln und so war mein schönster Schlafplatz im Visier – die Grotte. Dort chillten wir auf der Holzplattform ab. Auch in dieser Nacht gab es ein heftiges Gewitter, aber wir blieben trocken und von Einschlägen verschont. Der nächste Morgen war noch recht verregnet. Nach einem guten Frühstück gingen wir Sportklettern.

Jakob in einer 8+/9-

Jakob in einer 7+

Nach ein paar gemütlichen 6ern ging es dann in die 8er und 8+ Touren. Eine Tour, an der wir uns fast die Zähne ausgebissen haben, war extrem zach. Aber mit viel Schweiß konnten wir die Tour zumindest bis zum Top klettern. Das Wetter war zwar ein wenig instabil, aber es hatte 32° Grad und der Fels war trocken – was will man mehr?! Am Abend gab es dann ein Bad im Gardasee und anschließend typisches italienisches Essen.

gewaschen und gemütliches abchillen ab Gadasee

gewaschen und gemütliches abchillen ab Gadasee

Der nächste Morgen war wieder ein wenig verregnet, aber das Wetter besserte sich und wir entschlossen uns für eine knackige Tour. Zuvor gingen wir noch ein wenig shoppen. Inzwischen hängten wir ein paar nasse Sachen am Parkplatz auf, die als wir zurückkamen gestohlen waren! Jakob ärgerte sich besonders und für mich war das jetzt schon das dritte Mal, dass ich am Gardasee beklaut wurde. Scheinbar werde ich auch nicht klüger. Naja, der Dieb soll glücklich werden mit 4 Tage alter Unterwäsche und zwei Kletterhosen. Nicht zu vergessen die zwei Paar alten Socken.

harte Kletterei im messerscharfen Kalk - Jakob in der Schlüsselstelle

harte Kletterei im messerscharfen Kalk - Jakob in der Schlüsselstelle

Unsere nächste Klettertour befand sich in Richtung Laghel weiter rauf zur Kirche dort links ins Sarcatal. Unsere Tour war eine eingebohrte 8-, wobei keine Seillänge leichter als 7 war. Die Schlüsselstelle war so im 9er Bereich, was für mich eher eine A0 Lösung war. Die Tour war im Topoguide mit 5 Sternen bewertet. Der Einstieg war recht schnell gefunden und Jakob kletterte die erste zache Länge. Souverän wurde diese gelöst. Im Nachstieg musste ich mich schon um einiges mehr anstrengen. Aber auch ich schaffte die Länge. Immer wieder wurde es dunkel, aber außer ein paar Wasserspritzern blieben wir echt verschont.

steil- steil- steil Jakob in der vorletzten 7+ Länge

steil- steil- steil Jakob in der vorletzten 7+ Länge

Herrliche, griffige Kalkkletterei machte die Tour zu einem wahren anstrengenden Genuss, auch wenn ich diese wahrscheinlich nicht mit 5 Sternen bewertet hätte. Am Abend ging es dann noch mal auf ein Bad in den See und dann fuhren wir weiter Richtung Dolomiten, da die Wettervorhersage für dort gut war. Lediglich am Abend waren noch ein paar Störungseinflüsse angesagt. Am Sella Joch legten wir uns in unsere Schlafsäcke und so wie immer kam um ca. 02:00 ein heftiges Gewitter. Es schüttete in Strömen und wir verkrochen uns ins Auto. Nach drei Stunden war es wieder vorbei und wir konnten gemütlich weiterschlafen.

ein Murmler war sehr zutraulich und begleitete uns zum Einstieg

ein Murmler war sehr zutraulich und begleitete uns zum Einstieg

Der Morgen war unglaublich. Oben hatte es geschneit und der Himmel war wolkenlos. Die Sonne erwärmte unsere mit Raureif überzogenen Schlafsäcke. Nach einem warmen Tee und ein paar Haferflocken marschierten wir zum Einstieg unserer Tour – der „Abram“ Führe. Eine Tour über die rechte Begrenzung vom Ciavazes.

ich in der Schlüsselstelle der Tour

ich in der Schlüsselstelle der Tour

Eine steile Verschneidung war die Schlüsselstelle, die ich dank Jakob auch frei lösen konnte. Die Tour war sehr spärlich gesichert, aber perfekter fester Fels. Oben machte uns die Wegfindung ein wenig zu schaffen, aber in Summe fanden wir zum Ausstieg. Am Gamsband setzten wir uns in die Wiese und genossen die Aussicht. Der Marmorlata Gletscher funkelte und die Nordseiten waren alle eingeschneit.

Jakob in einer der letzten Seillängen - super Dolomitenfels

Gemütlich stiegen wir über das Gamsband wieder ab. Bei Sonnenuntergang und Minusgraden kochten wir unser Abendessen und planten den darauf folgenden Tag. Eine kurze Tour wenn möglich (meine Bitte) südseitig. Wir entschieden uns für die „Dorigatti Führe“, eine Tour auf den Boéseekofel. Der Vorteil an dieser Tour ist, dass man mit der Gondel und dem Vallon Sessellift fast bis zum Einstieg fahren kann.

Jakob in der zweiten Seillänge

Jakob in der zweiten Seillänge

Nach einer sehr kalten Nacht waren wir beide froh südseitig zu klettern. Wie zwei Eidechsen freuten wir uns über die Sonne. Den Einstieg hatten wir recht schnell gefunden und die ersten Seillängen waren, inkl. Erstbegehung von Jakob, schnell gespult. Herrliche steile Kletterei in extrem griffigen Fels. Leider waren wir nach drei Stunden schon wieder am Ausstieg.

Jakob in einer der steilen Seillängen "fantastischer Fels"

Jakob in einer der steilen Seillängen

Über den Klettersteig stiegen wir dann wieder ab. Auf diesem waren in der Schlüsselstelle so viele Leute, dass wir uns abseilen mussten. Auf jeden Fall waren wir das Highlight für die Klettersteigler. Als wir dann seilfrei an ihnen vorbeikletterten, waren wir überhaupt Helden. Jedoch war die Kletterei eher so im 2er Bereich.

einer unserer gemeinsamen Gipfelsiege

unser Gipfelsiege nach der "Dorigatti Führe"

Mit dem Lift ging es dann wieder hinunter zur Mittelstation, wo wir noch einen herrlichen Kaffee tranken und den Drachenfliegern und Paragleiter zusahen. Im Tal packten wir unser Zeug und 6h später waren wir wieder zuhause, wo ich mich von Jakob verabschiedete. Auf jeden Fall haben wir in Chamonix noch immer eine offene Rechnung, die hoffentlich bald beglichen wird.

mehr Bilder zu den Touren gibt es im Tourenbuch – einfach die Tour anklicken

  1. stefe am 10. September 2009

    hey, dieses murmele kenn ich doch!
    das haben peter und ich heuer im frühjahr schon südseitig vom piz chiavazes gesehen, da war es noch dünn und etwas gezeichnet vom langen winter, aber genauso zutraulich wie bei euch. wird wohl die eine oder andere leicht verdiente mahlzeit von den vorbeiwandernden zeitgenossen abstauben können :D

    ja spitzenmäßige touren, die ihr da in den fels gezogen habts, beneide euch wahrlich :)

  2. Der Jakob ist leider nicht so der Kameramann! Fotogener? Herberti ich glaube das müssen wir nochmal bereden ;-)
    lg Flo

  3. sehr schade dass das verflixte Wetter dort nie so richtig mitspielen will… aber irgendwann muss auch der Cordierpfeiler dran glauben :)

    lg Peter

  4. Herbert am 10. September 2009

    Super Fotos – ich fang jetzt auch mit dem Extremsport an … bin heute schon aus dem Bett geklettert! *g*
    Auch wenn der Jakob fotogener ist als du … beim nächsten Mal, bitte wieder mehr Flo-Fotos!!!
    LG
    Herbert