
Um nicht immer in denselben Gebieten zu klettern, wollten wir einmal Abwechslung in unsere Kletterei bringen. Durch ein paar gute Insidertipps von Volker von topoguide.de war unser Ziel fixiert. Es war eine kleine Insel südwestlich von Italien => Korsika. Ein Abenteuerland mit vielen Möglichkeiten. Diese Insel biete fast alles. Ob Mountainbiken, Radln, Canyoning, Surfen, Tauchen, Wandern, Gleitschirmfliegen …und natürlich Klettern. Somit wurde etwas mehr organisiert als bei einem herkömmlichen Kletterurlaub, da wir ja mit der Fähre von Italien (Livorno) nach Korsika fuhren (Bastia).
Am Mittwoch nach der Firma traf ich mich mit Peter und wir räumten das Auto voll. Gemütlich fuhren wir von Wien Richtung Livorno. Anfangs hatten wir noch Stau, jedoch je später es wurde und je weiter wir uns von Wien entfernten desto besser wurde es. Ab Mitternacht waren wir schon fast alleine auf der Straße und somit kamen wir um 05:30 in Livorno an. Müde tranken wir noch ein Bier und blickten auf das Meer, das sehr ruhig war. Dann schnappte ich mir meinen Schlafsack und versank in die Welt der Träume.
Von der Sonne und Autolärm wurde ich dann irgendwann geweckt und bald startete auch die Verladung der Autos. Auf der Fähre konnten wir uns auch noch ein wenig erholen. Peter brauchte zwar recht viel Frischluft, aber so waren wir nach 4,5 Stunden in Korsika. Bei 26°C verließen wir den Hafen in Bastia und fuhren in den Süden Richtung Restonicer Tal. Über Passstraßen fuhren wir in das Tal. Dort schlugen wir unser Zelte auf und erkundigten die Gegend und studierten das ein oder andere Topo.
Unsere erste Tour war bald klar. Wir wollten gemütlich anfangen und uns mit dem Fels und der Gegend vertraut machen. Nach einem kurzem Frühstück starteten wir in unsere erste Tour. Zustiege sind nicht wie bei uns leicht zu finden, sondern eher zu erforschen. Teilweise kämpft man sich durch stacheliges Dickicht und hin und wieder gibt es sogar den ein oder anderen Steinmann. Auch die Wände sind nicht so klar ersichtlich, denn von denen gibt es auf Korsika fast unendlich viele. Aber mit einer guten Karte, einer Beschreibung und ein wenig Spürsinn findet man sich zurecht.
Beim Heimweg zum Campingplatz fanden wir einen Granitriss. Solche Risse kannte ich bis jetzt nur aus dem Prospekt, aber jetzt durften wir selbst Hand anlegen. Der Riss ließ sich auch perfekt mit 3er und 4er Friends absichern und war kletterbar.
Der erste Felskontakt war phänomenal. Wahnsinn! Nicht nur die Granitkletterei, die das Kletterherz höher schlagen lässt, nein sondern auch eine Besonderheit, die es scheinbar nur auf Korsika gibt. Es sind die sogenannten Tafoni. Henkel in allen Variationen. Somit gibt es eine Vielzahl von Touren, die absolut clean kletterbar waren.
Eine dieser Touren war die Voie Allegria. Eine Tour im 6. Grad mit einer Wandhöhe von ca. 375m. Diese Tour war für mich ein „MUST“. Auch Peter musste ich nicht lange überreden. Jedoch musste ich die erste heikle Seillänge führen. Aber das nahm ich in Kauf *gg*! In unserer Beschreibung war die erste Seillänge recht wild beschrieben. Schwer absicherbar, nur mit einem Microfriends, und technisch recht schwer.
Nach einigen Anläufen beim Zustieg, da wir uns ein paar mal verkoffert hatten, fanden wir sogar den Einstieg. Jetzt sah ich die Schlüsselseillänge in ihrer vollen Pracht und war überrascht. Hätte mir das viel schwieriger vorgestellt. Ich klickte mir das Material auf den Gurt und kletterte los. Mit ein paar Schlingen ließ sich das ganz gut absichern und der Schwierigkeitsgrad war kein Problem. Ziemlich flott war ich über die Stelle drüber und baute an einem Baum stand. Die Kletterei war herrlich. Tafoni überall wo man hinsah. Einfach purer Genuss. Über den Vorgipfel ging es dann weiter.
Dort wurde die Wand etwas breiter und da wir ja nur ein ungefähres Topo hatten, wählten wir uns die Linie frei. Durch Zufall entdeckten wir eine kleine Tafoni Grotte. Diese wurde von uns gleich geklettert, bis wir weiter oben wieder in die eigentliche Tour kamen. Die letzte Seillänge war eines unserer vielen Highlights. Ein Überhang und der nur im 6ten Grad. Ein Henkel nach dem anderen. Und das komplett clean.
Oben am Gipfel baute ich noch einen Steinmann und machten ein Foto mit Selbstauslöser. Danach kletterten wir hinten ein paar Meter ab, bis wir zu einem kleinen verwachsenen Trampelpfad kamen. Über diesen ging es wieder retour. Eine Wahnsinnslinie und eine extrem geniale Kletterei. Dann ging es wie meistens in eine nahegelegene Badegumpe.
Dort suchten wir uns ein sonniges Platzerl und gingen in dem eiskalten Wasser schwimmen. Danach legten wir uns auf die warmen Steine und ließen die Seele baumeln.
Am Abend gab es meisten Nudeln mit einem Pesto und frischen Salat. Leider vergingen die Tage wie im Flug und jeder Klettertag hatte so seine Besonderheiten. Gegen Ende der Woche wurde das Wetter leider schlechter und an einem der Schlechtwettertage planten wir auch unseren Ruhetag.
Am Ruhetag kauften wir Baguette und kochten uns eine Eierspeise, slakten ein wenig und fuhren dann nach Bonifacio, dem südlichsten Punkt der Insel. Eine schöne Stadt, die direkt auf die steilen Kreidefelsen gebaut wurde. In einem kleinen Kaffee sahen wir dem starken Gewitter zu und entspannten unsere Fingerkuppen. In der Regenpause machten wir eine kleine Stadtführung. Am Klippenrand gibt es eine Stiege die hinunter zum Meer führt.
Normalerweise eine Touristenattraktion. Bei uns war diese leider geschlossen, aber über den Zaun waren wir schnell drüber und so hatten wir den Weg für uns alleine. Wenn es auch mehr ein Touristenspektakel ist, zahlt sich der Weg auf jeden Fall aus. Ein sehr schöner Weg der sich durch die Kreidefelsen zieht.
Danach gingen wir auf ein Bier in ein kleines Kaffee. Mittlerweile schüttete es wieder und der Regen prasselte an das Fenster unseres Balkons. Bei einem traumhaften Ausblick genossen wir das kühle Bier und schrieben ein paar Karten. Nach einer guten Pizza fuhren wir wieder Richtung Campingplatz. Leider war das Wetter am nächsten Tag auch nicht besser und so beschlossen wir Richtung Norden zu fahren. Dort angekommen fanden wir wieder ein schönes Platzerl. Packten die Slak aus und machten eine Session.
Am nächsten Morgen, der leider schon unser Abreisetag war, gaben wir noch mal Vollgas. Das Wetter war gut und die Sonne brannte herunter. Somit gingen wir in einen Klettergarten, der direkt am Meer lag. Beim Erkunden dieses Klettergartens sah ich hinten die steile Küste und dachte gleich an Deep Water Soloing. Gesagt getan, probierten wir die ersten Möglichkeiten. Gerade der Anfang war etwas heikel, weil dort noch kein Wasser war. Danach war es dann perfekt.
Über die kleinen Überhänge hangelten wir uns hinüber und sprangen anschließend ins kalte Meer um wieder ans Ufer zu kommen. Danach noch eine wenig Sportklettern und dann hieß es schon ab Richtung Fähre. Um 05:00 waren wir dann wieder daheim bei mir in Baden.
Die Bilder könnt ihr euch hier ansehen (link zum Anklicken):
Restonicatal-Monte Leonardo-Bella Ciao
Restonicatal-Rossolino-Ombre et Lumiére
Bavella-Punta di Chjapponu-Linea a l´Ombra
Bavella-Castellu d´Ornuccio-Voie Allegria
Bavella-Punta d´Arghjavara-Altore mit Varianten-Conquisttador-Torre di Alba
Topoguide (der Korsikaführer) meine Empfehlung!
Korsika wir kommen wieder
den Bericht von Peter könnt ihr auf seiner Page lesen (einfach anklicken)

















