Projekt Zukunftsweiser


2 Fotos Flo Projekt Zukunftsweiser

Die Hohe Wand gehört irgendwie zu meinen Hausbergen. Mein Lieblingssektor ist die steile Sonnenuhrwand, welche direkt unter dem Skywalk hochzieht und eine herrliche Arena bietet. Bei der Wand handelt es sich um eine Ostwand welche am Nachmittag keine Sonne mehr hat. Somit kann auch im Sommer gut dort geklettert werden. Bei Südwind und Thermik ist der Ausstieg meistens sehr windig und der Stand direkt am Skywalk auf der Spitze sorgt bei den Besuchern immer für Aufregung und beim Kletterer für ein luftiges Gefühl.



Aus irgendwelchen Gründen und blödem Gerede kam ich auf den Gedanken diese Wand über die Route „Zukunftsweiser spezial“ zehnmal hintereinander zu klettern. Die Idee war schon etwas älter und war mehr ein Gedanke als eine echte Umsetzung. Als ich Oli von der Idee erzählte war er ebenfalls sofort begeistert. Anfangs nahm ich das noch nicht so ernst, da ich Oli auch noch nicht so gut kannte. An einem gemütlichen Afterworktagl fragte mich Oli, wann wir eigentlich das Projekt umsetzen wollen. Ok, jetzt war ich unter Zugzwang und wir machten uns einen Termin aus.

Die Sonnenuhrwand mit dem Skywalk

Ich setze das Ding als Projekt auf – ist ja schließlich auch mein Job – und somit gab es eine akribische Planung. Wir checkten die Seillängen und Schlüsselzüge aus, zählten alle Exen, die Länge der Exen um eine guten Seilverlauf zu haben und ein Einfachseil welches gerade so lang sein sollte, wie die längste Seillänge. Weiters benötigten wir ein 150 Meter Statikseil, um vom Skywalk möglichst rasch zum Einstieg abseilen zu können. Essen, Trinken, Material für die Stände und eine Projektbeschreibung bei den Einstiegen und direkt beim Ausstieg am Skywalk. Natürlich sollte es diese in mehreren Sprachen geben (damit Kletterer die ev. heute diese Route klettern wollen, nicht einsteigen).

Materialvorbereitungen

Gesagt getan, in zwei Wochen hatten wir faktisch alles umgesetzt. Peter von Austrialpin borgte uns einige Schlingen und von Flo bekamen wir eine 200 Meter Statikseilrolle.

gemeinsames anpacken, Chrissi & Mum

Freitag 07. 08. 2015

Oli und ich trafen uns oben auf der Wand. Es war heiß und der Wind war stark. Ein paar Schirme waren zwar in der Luft aber es war grenzwertig. Für uns eine Challenge weil der Wind damit beim Skywalk sehr stark war und ein abseilen nicht einfach machte. Wir sortierten das Material und machten einen finalen Check. Dann brachten wir das ganze Zeug zum Skywalk.

Einrichten der Route Zukunftsweiser “Spezial”

Wir richteten alle Stände ein und klickten um die 54 Exen. Wir montierten die Beschreibungen. Auf jeden Stand hatten wir Wasser, isotonische Getränke, Magnesium, Bananen, Gels, Futterriegel. Wichtig war vor allem Flüssigkeit weil der Samstag brutal heiß werden sollte. Danach kletterten wir die Route um zu sicher zu gehen, ob alles passt. Perfekt. Wir montierten das Statikseil ab und verstauten dieses im Haulbag da ich dieses nicht hängen lassen wollte.

los geht´s – Oli am Skywalk

Mittlerweile war es schon ein wenig dämmrig und der Postl hatte leider nicht mehr offen. Aber egal wir konnten uns noch Nudeln im  Bus kochen. Als ich die Bustür öffnete Stand dort ein warmes Abendessen. Chrissi, die Freundin vom Oli, hatte schon vermutet das wir die Sperrstunde vom Postl nicht schaffen. Extrem lässig. Andi, ein Flieger und guter Freund von früher kam auch noch vorbei und leistete uns Gesellschaft. Somit hatten wir einen echt chilligen Abend.

Samstag 08. 08. 2015

04:00, der Wecker läutet. Es ist warm aber angenehm. Still, ruhig, dunkel. Nur die Kaffeemaschine blubbert vor sich hin. Oli und ich schauen uns an, beide reden wir nicht viel. Wir wissen heute wird es zach. Im dunklen gehen wir Richtung Skywalk. Vom Parkplatz ist es nicht weit und so sind wir 10 Minuten später am Skywalk.

angenehme Temperaturen in der Früh müssen genutzt werden

Ich klettere über das Geländer und hänge den Haulbag in die Gurtschlaufe. Im Haulbag befinden sich 200 Meter Statikseil. Ich seile mich ins schwarze Nichts ab. 140 Meter bis zum Einstieg von unserer Route. Ich fixiere das Seil und den Haulbag an einem Baum und warte auf Oli. Der Lichtkegel von oben wird immer größer bis Oli auch am Einstieg steht. Es ist angenehm warm und perfekte Klettertemperatur wobei wir wissen, so wird es nicht bleiben da heute der heißeste Tag des Jahres kommen sollte.

geil, erster Run erledigt und als Belohnung gibt´s einen geilen Sunrise

Ich binde mich ins Seil und starte mit der Stirnlampe. Mittlerweile hat es schon leicht zu dämmern begonnen. Alles geht automatisch und schnell. Wir kennen jeden Zug und spulen den ersten Run unter einer Stunde ab. Während Oli die letzten Meter klettert seile ich am Statikseil schon wieder ab. Die Stimmung ist unglaublich. Leichter Wind und ein herrlicher Sonnenaufgang belohnen uns fürs zeitige aufstehen. Keine Zeit verlieren. Oli kommt mit dem Seil auch schon wieder zum Einstieg. Seil ins Sicherungsgerät und weiter gehts.

perfektes Licht – Oli klettert die Schlüsselseillänge im Morgenlicht

So spulen wir Run für Run. Der Fünfte Durchgang ist schon ganz schön zach. Der höhere Sonnenstand und die Hitze machen uns ein wenig zu schaffen auch wenn wir genug zu trinken haben.

Danke Peter, Danke Austrialpin für die Unterstützung

Die Finger und die Füße schmerzen und ein paar Krämpfe habe ich auch schon im Bizepsansatz. Puh und das noch nicht einmal bei der Hälfte. Mittlerweile sind Freunde und Familie eingetroffen und wir bekommen viel Unterstützung was eine extreme Motivation ist.

meinen Kletterhelm habe ich durch einen Sonnenhut getauscht

Eigentlich sind wir schon richtig erledigt und es ist sehr heiß. Aber eine Pause ist aus psychologischen Gründen erst nach der Halbzeit angesagt. Also seilen wir wieder ab und klettern unser sechstes Mal. In der letzten Seillänge rutscht mir der Fuß von der Platte und ich kann die Leiste nicht mehr halten. Oli sichert mit etwas mehr Seil und so lande ich direkt auf dem Grasband. Glücklicherweise lande ich wie eine Katze und so kann ich gleich weiterklettern.

zache 7+ Schlussplatte

Oben steigen wir dann aus und entscheiden uns tatsächlich für eine Pause. Die Sonne brennt oben mit fast 35°C hinein und die Wand steht voll in der Sonne. Wir gehen zum Bus, essen, trinken und legen uns ein wenig hin. Die Pause bewirkt ein wahres Wunder.Um 13:30 gehen wir wieder zum Skywalk und seilen uns ab, wie schon so oft an diesem Tag.

Abseilen nach der Pause – weiter gehts – noch Vier mal

Die siebente Begehung ist zwar heiß, aber es geht uns gut und auch die Stimmung ist wieder gut. Mittlerweile ist die Sonne auch aus der Wand und so haben wir endlich wieder Schatten, auch wenn es nach wie vor sehr heiß ist. Im oberen Bereich ist der Wind sehr stark. Würde sagen so um die 40km/h was uns jedoch entgegenkommt und uns ein wenig kühlt.

Mittlerweile schmerzen die Füße und Fingerkuppen durch die warmen Temperaturen

Meine Kletterschuhe habe ich durch gemütlichere Kletterschuhe ersetzt. Was zwar für die Füße angenehmer ist, aber dadurch können die Leisten nicht mehr so präzise angestiegen werden. Wieder klettern wir Meter für Meter und ein „Durchkommen“ erscheint immer realistischer. Wir finishen das neunte Mal. Kaum noch Besucher am Skywalk zu sehen.

in Summe eine mörder geile Wand, steil & moderate Kletterei

Jetzt seilen wir das letzte Mal ab, räumen unten alles weg und befüllen den Haulbag. Wir cleanen Seillänge für Seillänge und ziehen den Haulbag von Stand zu Stand. Der Körper ist zwar müde aber er funktioniert noch richtig gut. Eine Euphorie setzt ein und wir klettern flüssig die Seillängen. Ich klettere meine letzte Vorstiegslänge und sehe den Skywalk. Geil eine Seillänge fehlt uns noch. Oli klettert die letzte Seillänge und seine Freundin, Chrissi, die bis zum Ende mitgefiebert hat, freut sich mit ihm.

die letzte Seillänge – Sonnenuntergang und faktisch geschafft

Ich steige nach und setze meine linke Hand an die scharfe Leiste. Blocke diese voll durch und merke wie sich die Leiste durch meine Haut schiebt. Perfekt ausgegangen – Finger durch. Überglücklich steigen wir am Skywalk aus. 20:10 schreiben wir in unsere Liste. Danach haulen wir den Haulbag hinauf und räumen alles zusammen. Gemütlich gehen wir zurück zum Bus wo es endlich das wohlverdiente TAB gibt. Pah war das ein Tagl…

unsere Zehnte Begehung – Geschafft – Danke

Das Wochenende hat mir mal wieder gezeigt wie wichtig Menschen, Freundschaften und diese vielen zwischenmenschlichen Kleinigkeiten sind. Auch wenn das Ziel ein sportliches war, ohne euch hätte es nicht diesen Nimbus gehabt. DANKE!

Bier trinken und Material wegräumen – Oli & Chrissi beim Material wegräumen

die Bilder in meiner Galerie findet ihr hier

  1. Gratulation für die erfolgreiche Umsetzung dieses Megaprojekts!
    Meine Glückwünsche!

    LG Thorsten

  2. sowas kann nur dem Flo einfallen: 10x Zukunftsweiser!
    Allerdings hätte die Idee, 20 x in 24 Std auch was… :-) :-)

    lgm

  3. Sophie am 15. August 2015

    Faszinierend was kreativen Menschen so einfällt!
    Dein letzter Absatz stimmt vollkommen und es ist schön, dass du es so siehst!
    Bussi Sophie

  4. Josef Hradil am 15. August 2015

    Feeeeeeein!!! Gratuliere! lg Josef

  5. Flo R. am 14. August 2015

    Ein geniales Abenteuer! Und der Bericht einer deiner Besten!
    Herzliche Gratulation :-)

    • Danke Flotschi für´s 200 Meter Statikseil, das wartet bereits auf dich … Termine zum Fliegen in den Dolos kriegst nächste Woche von mir :-) THANKS!!!

  6. Wenn ich dazu “WAHNSINN” sage,
    dann ist das noch ziemlich untertrieben !

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